Beitrag im Sammelband “Die Türkei am Scheideweg”

Das Sammelband “Die Türkei am Scheideweg”, herausgeben von der Solidaritätskampagne #FreeMaxZirngast, ist jetzt mit einem Beitrag von mir (“Die Türkei gehört den Türken”) erschienen:

“Die Türkei befindet sich auf einem Weg in eine ungewisse Zukunft: Freude und massenhafte Kreativität von Gezi 2013, der Aufschwung der Frauenbewegung und Aufstieg der pro-kurdischen linken HDP stehen permanentem Krieg, Militärputsch, Präsidialdiktatur und ausufernder Repression des Regimes gegen alles Oppositionelle gegenüber. Max Zirngast, gebürtiger Österreicher, Journalist, Student und sozialistischer Aktivist, ist aus Interesse in das Land gezogen, hat sich dessen Sprachen und kulturelle Besonderheiten angeeignet. Aus diesem Blickwinkel heraus hat er zahlreiche politische Artikel zur Türkei, zu den USA, zu Europa und zu Kunst und Kultur auf Englisch, Deutsch und Türkisch verfasst. Wie so viele oppositionelle und kritische Menschen sitzt er nun seit dem 11. September 2018 in Ankara im Gefängnis. Ihm wird die „Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation“ vorgeworfen. Dieser Band versammelt seine Artikel und liefert Hintergründe zu den Umständen seiner Inhaftierung.”

Solidaritätskampagne #FreeMaxZirngast (Hg.) (2019): Die Türkei am Scheideweg und weitere Schriften von Max Zirngast. edition assemblage, Münster.

Streitbar #3: Linker Populismus – Chancen und Gefahren linker Sammelbewegungen

“Ausnahmsweise gab es bei unserer dritten Streitbar weniger Streit und mehr Harmonie auf dem Podium als sonst. Denn darin, dass „linker Populismus“ problematisch ist, waren sich Ismail Küpeli, Norma Tiedemann und Sebastian Winter einig. Kontrovers war die Diskussion über Chancen und Gefahren linker Sammelbewegungen trotzdem.

Sebastian Winter wies darauf hin, dass Populismus sozialpsychologisch vor allem über die affekthafte Konstruktion von “Wir” gegen “die Eliten” funktioniert. Norma Tiedemann argumentierte, dass die Benennung von konkreten Herrschaftsverhältnissen deshalb noch lange nicht problematisch sein muss. Dem Populismus, der Chantal Mouffe verschwebt, setzte sie das Konzept einer Mobilisierung zur Selbstorganisierung entgegen. Ismail Küpeli machte den Begriff der Solidarität stark und verwies darauf, dass dieses nicht im Widerspruch dazu steht, innerlinke Konfliktverhältnisse z.B. über Rassismus oder Geschlechterverhältnisse auszutragen.”

Wie und Warum wird die Auseinandersetzung mit Antisemitismus in der Linken abgewehrt?

Bildungsstätte Anne Frank: “Wie und Warum wird die Auseinandersetzung mit Antisemitismus in der Linken abgewehrt? Das erklärt Ismail Küpeli im Interview zu unserer Sonderausstellung „Das Gegenteil von Gut“: „Viele Linke haben ein Selbstverständnis davon, was ‚Linkssein‘ bedeutet, nämlich dass es quasi ein ‚Ticket‘ sei, ein ‚Freifahrtschein‘ für viele Bereiche. Also wer links ist, kann natürlich kein Rassist sein, ist natürlich kein Judenfeind, ist natürlich kein Sexist und vieles mehr.“

Kommunalwahlen in der Türkei: Stimmungsbilder der Autokratie

Die Kommunalwahlen am 31. März 2019 in der Türkei waren die ersten landesweiten Abstimmungen nach der formellen Errichtung des autokratischen Präsidialsystems. Bereits im Vorfeld zeichnete sich ab, dass die Wahlen manipuliert werden würden. Darüber hinaus drohte Staatspräsident Erdogan an, mögliche Wahlsiege der linken HDP faktisch annullieren zu lassen und die gewählten Bürgermeister*innen der HDP durch staatliche Zwangsverwalter zu ersetzen.

Wahlmanipulationen und Wahlfälschungen unterschiedlicher Art sind in der Türkei keineswegs etwas Ungewöhnliches. Insbesondere dass die jeweiligen Regierungsparteien staatliche Ressourcen wie etwa Sendezeit in den staatlichen Fernsehsendern für den Wahlkampf nutzen und damit einen fairen Wettbewerb mit den Oppositionsparteien aushebeln, ist seit vielen Jahrzehnten eine übliche Praxis. […]

Weiterlesen: Kommunalwahlen in der Türkei: Stimmungsbilder der Autokratie (Rosa-Luxemburg-Stiftung, 1. April 2019)

Sieg über den IS – Gefahr für Rojava

Nach der Zerschlagung des «Islamischen Staates» als Territorialmacht droht die Offensive der türkischen Armee in die «Demokratische Föderation Nordsyrien»

Mit der offiziellen Ankündigung, dass das letzte vom so genannten Islamischen Staat (IS) kontrollierte Gebiet bei Baghouz von den «Syrischen Demokratischen Kräften» (SDF) befreit und damit der IS als Territorialmacht in Syrien zerschlagen wurde, tritt der Kampf gegen den IS in eine neue Phase. Gleichzeitig werden neue und alte Gefahren für die «Demokratische Föderation Nordsyrien» (Rojava) sichtbar, so etwa die drohende Offensive der türkischen Armee. Da bleibt nur wenig Zeit für große Siegesfeiern.

Nachdem in den vergangenen Wochen tausende Zivilist*innen das Gebiet rund um die Ortschaft Baghouz verlassen und hunderte IS-Kämpfer sich den SDF-Truppen ergeben hatten, begann die SDF eine letzte Offensive auf Baghouz. Nach nur wenigen Tagen, am 23. März 2019, verkündete Mustafa Bali, Sprecher der SDF, dass die Ortschaft eingenommen worden ist. Seither kann von einem «Islamischen Staat» als politisch-territoriales Projekt nicht länger die Rede sein. […]

Weiterlesen: Sieg über den IS – Gefahr für Rojava (Rosa-Luxemburg-Stiftung, 26. März 2019)

Das Gegenteil von Gut – Antisemitismus in der Linken: “Ich bin ein Linker, also betrifft mich das gar nicht”

” “Ich bin ein Linker, also betrifft mich das gar nicht”

Für unsere neue Sonderausstellung „Das Gegenteil von Gut“ haben wir den Politikwissenschaftler und Historiker Ismail Küpeli gefragt: Wie äußert sich Antisemitismus in der gesellschaftlichen Linken?

Im Interview zeigt er auf, wie die Auseinandersetzung mit Antisemitismus häufig abgewehrt wird:

„Viele Linke haben ein Selbstverständnis davon, was ‚Linkssein‘ bedeutet, nämlich dass es quasi ein ‚Ticket‘ sei, ein ‚Freifahrtschein‘ für viele Bereiche. Also wer links ist, kann natürlich kein Rassist sein, ist natürlich kein Judenfeind, ist natürlich kein Sexist und vieles mehr.“

Am 27.03. eröffnen wir unsere Sonderausstellung „Das Gegenteil von Gut – Antisemitismus in der Linken“. Im Fokus der Auseinandersetzung stehen die verkürzte Kapitalismuskritik in Teilen der politischen Linken, der Antiimperialismus der Häuserkampfbewegung und der außerparlamentarischen Opposition sowie Boykottaufrufe kultureller und wirtschaftlicher Waren aus Israel.
Was bedeutet die Geschichte des antisemitischen Ressentiments für das Heute?
Wie haben sich Argumentationsformen und Gefühle tradiert – und wie ist ihnen bildungspolitisch zu begegnen?

Vernissage: Sonderausstellung “Das Gegenteil von Gut” Antisemitismus in der deutschen Linken seit 1968.
Eine Ausstellung der Bildungstätte Anne Frank 27. März – 27. September 2019.”

Deutsche Welle: Öcalan und der anhaltende Kampf der PKK

[…] Für Ismail Küpeli, der sich in seinem aktuellen Buch “Kampf um Rojava, Kampf um die Türkei” genau diesem Thema widmet, gibt es zwischen YPG und PKK vor allem ideologische Verbindungen. “Wenn Sie sich in Rojava, in Nordsyrien, bewegen und in Büros der PYD oder YPG gehen, dann sehen Sie natürlich auch Bilder von Öcalan. Allerdings haben die syrischen Kurden andere Interessen und auch andere Erfahrungen mit dem Nationalstaat gemacht als die Kurden in der Türkei.” Die Folge sei, dass die Kurden in Nordsyrien dem Assad-Regime gegenüber pragmatisch eingestellt seien. “Der Tenor ist: Man kann mit Damaskus verhandeln. Wenn man sich unterordnet, wenn man bestimmte Regeln befolgt, dann kann man Kompromisse finden” – wie etwa, als Kurden im nordsyrischen Manbidsch Ende Dezember syrische Truppen um Hilfe gegen türkisches Muilitär gebeten haben. […]

Weiterlesen: Öcalan und der anhaltende Kampf der PKK (Deutsche Welle, 14. Februar 2019)