ARD: “Türken, entscheidet Euch!”

Rabiat-Reporterin Gülseren Ölcüm nimmt die Zuschauerinnen und Zuschauer in der Radio Bremen-Reportage “Türken, entscheidet Euch!” mit in die Welt von viereinhalb Millionen Deutsch-Türken. Eine zerrissene Welt voller Verunsicherung, seit die Türkei sich mehr und mehr von demokratischen Werten und von Europa entfernt. Welche Rolle Erdogan spielt? Eine sehr große. Es gibt einen Bekenntniszwang: Deutsche Verfassung oder Erdogan? Türkischer Pass oder der deutsche? […]

Ismail Küpeli ist Politikwissenschaftler und seit den 90er Jahren in Deutschland. Seine Eltern sind damals aus der Türkei geflohen. Zur Türkei hat er ein gespaltenes Verhältnis. “Ich glaube, diese Orientierung auf die Türkei ist inzwischen zu einem großen Problem geworden”, sagt Ismail. Sich aber nicht dazu äußern, das kann er sich nicht leisten. Zu hoch der Erwartungsdruck. Und wenn er sich äußert, dann muss er aufpassen, dass er nicht von einer politischen Seite instrumentalisiert wird. […]

Türken, entscheidet Euch! (ARD, 28. Mai 2018)

Meral Akşener: Eine harte Gegnerin

Die ehemalige Innenministerin der Türkei, Meral Akşener, ist keine Hoffnung für die türkische Demokratie, aber ein Problem für Erdoğan

[…] Die AKP-Regierung setzte nach diesen Wahlen auf eine nationalistische Rhetorik und ab Sommer 2015 auf den offenen Krieg gegen die kurdischen Kräfte in der Türkei. Dadurch kam es zu einer Nähe und später zu einer Zusammenarbeit zwischen der AKP und der MHP. Die Abgeordnete Akşener hatte sicherlich keine Sympathien für die kurdischen Kräfte, sah aber wohl die Nähe zur AKP als eine Gefahr für die MHP, weil die Partei so ihre Unabhängigkeit verlieren und zu einem Anhängsel der Regierungspartei AKP werden würde. Jedenfalls wurde Akşener innerhalb der MHP marginalisiert. Sie brachte sich trotzdem nach dem schlechten Abschneiden der MHP bei Neuwahlen im November 2015 als zukünftige Parteivorsitzende ins Gespräch. Es folgte ein monatelanger Machtkampf. Akşener unterlag und wurde im September 2016 aus der MHP ausgeschlossen. Ein Jahr später gründete sie mit anderen Politikern die IYI-Partei und wurde deren Vorsitzende. Die IYI-Partei konnte viele ehemalige MHP-Anhänger für sich gewinnen, die mit der Nähe der MHP-Führung zur AKP nicht einverstanden sind. Nun will Akşener Präsidentin der Türkei werden.

“Eine harte Gegnerin” (Neues Deutschland, 19. Mai 2018)

WDR: DiTiB-Funktionär tritt für AKP an

“Nicht jeden überrascht der Schritt des 55-jährigen Alboga: Der Verband Ditib mit Hauptsitz in Köln stehe für eine sehr enge Verbindung zur AKP, sagte Politikwissenschaftler und Türkei-Experte Ismail Küpeli von der Ruhruniversität Bochum gegenüber dem WDR – und dass, obwohl der Verband sich gerne überparteilich gebe. “Wir erleben immer wieder, dass in den Ditib-Räumen für die AKP und den Regierungskurs geworben wird.”

Durch einen solchen Schritt werde die angeblich neutrale Ditib entlarvt. Das sei ein Skandal, so Küpeli. “Aber es passt dazu, wie wir Ditib in den letzten Jahren erlebt haben.” Ditib mache Politik und sei nicht neutral.”

DiTiB-Funktionär tritt für AKP an (WDR Aktuelle Stunde, 5. Mai 2018)

Neuwahlen mit Fallen in der Türkei

Erdogan hoffte, die Opposition unvorbereitet zu treffen. Die Rechnung ging nicht auf

In den vergangenen Wochen und Monaten hatten Staatspräsident Erdoğan und andere führende AKP-Politiker stets behauptet, dass Neuwahlen nicht zur Debatte stünden und entsprechende Äußerungen der Opposition als haltlos bezeichnet. Inzwischen kann davon ausgegangen werden, dass mit diesen Falschbehauptungen die Oppositionsparteien dazu gebracht werden sollten, sich in falscher Sicherheit zu wiegen. Das Kalkül: So soll es der AKP leichter fallen, eine unvorbereitete und zersplitterte Opposition bei den Wahlen zu besiegen.

Allerdings wissen die meisten politischen BeobachterInnen aufgrund der zahlreichen und drastischen politischen Wendemanöver der AKP in den vergangenen Jahren, dass solche öffentlichen Beteuerungen nicht glaubhaft sind und die AKP bereit ist, jegliche Methode einzusetzen, die der eigenen Machtsicherung dient. […]

Weiterlesen: Neuwahlen mit Fallen in der Türkei (Neues Deutschland, 26. April 2018)

NDR: Der kurdisch-türkische Konflikt in Norddeutschland

37 Anschläge auf türkische Einrichtungen soll es nach Angaben des Bundesinnenministeriums in diesem Jahr gegeben haben – viele davon in Norddeutschland. Der Anstieg ist enorm: Im gesamten letzten Jahr waren es nur 13. Zieht der Krieg zwischen Türken und Kurden im nordsyrischen Afrin immer mehr Gewalttaten auch in Deutschland nach sich? […]

Wer die Anschläge tatsächlich begangen hat, ist indes trotz der Bekennerschreiben nicht geklärt. Der Politikwissenschaftler Ismail Küpeli von der Universität Bochum weist darauf hin, dass die großen kurdischen Verbände sich mehrfach von allen Anschlägen und auch Aufrufen zu Gewalttaten distanziert haben: “All diese Taten führen natürlich zu einer massiven Welle der Empörung über die kurdische Bewegung. Und das kann eigentlich nicht im Sinne der Kunden selbst sein.” Es sei nun an den deutschen Sicherheitsbehörden, die Täter zu ermitteln. […]

Der kurdisch-türkische Konflikt in Norddeutschland (NDR, 20. März 2018)

Videointerview: Völkerrechtsverletzung ohne Folgen

“Die wichtigsten Fragen zum Angriff auf die Kurdenenklave – Politikwissenschaftler Ismail Küpeli erklärt den Afrin-Krieg

Die Türkei versucht seit Jahren die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden überall im Nahen Osten zu bekämpfen, erst indirekt mit einer Grenzblockade, die für Armut und Unterversorgung in Rojava sorgt, nun mit einem offenen Krieg. Im Interview erklärt Politikwissenschaftler Ismail Küpeli, warum der Angriff auf Afrin nicht zufällig jetzt passiert. Im nächsten Jahr wird in der Türkei gewählt – Präsident Recep Tayyip Erdogan wolle mit dem Einmarsch noch mehr Rückhalt in der türkischen Bevölkerung mit Blick auf Neuwahlen im nächsten Jahr gewinnen, sagt Küpeli.

Währenddessen machten die Kurden eine alte Erfahrung: Sie erhalten keine Unterstützung der Großmächte angesichts des türkischen Angriffs. Aus kurdischer Sicht wiederhole sich damit das alte Trauma, fallen gelassen zu werden. Ihnen mache auch eine andere Erfahrung zu kämpfen: Das Projekt Rojava werde von allen Staaten in der Region bekämpft – es gibt keine Bündnispartner.

Küpeli beantwortet im Interview die wichtigsten aktuellen Fragen zum Konflikt. So sei der Krieg zwar völkerrechtswidrig und ein Angriffskrieg, aber derzeit habe dies keine Konsequenzen, weil NATO-Partner wie Deutschland dies einfach hinnehmen würden. Nach Ende des Krieges werde die Türkei in Afrin die Enklave nach ihren Vorstellungen ordnen – damit seien unter anderem die dort lebenden Minderheiten wie die Jesiden in Gefahr”

Videointerview: Völkerrechtsverletzung ohne Folgen (Neues Deutschland, 16. März 2018)