Leben mit der Leugnung : Die Armenier_innen vor und nach dem Genozid

Der Genozid an den Armenier_innen im Osmanischen Reich jährt sich 2015 zum 100. Mal. Auch dieser Jahrestag wird davon bestimmt sein, dass der Genozid verschwiegen, relativiert, kleingeredet und geleugnet wird. Dies liegt weniger daran, dass die Faktenlage uneindeutig oder der Vernichtungswille der Täter nicht nachzuweisen wäre. Die wissenschaftliche Forschung ist zwar nicht abgeschlossen, aber an der Existenz des Genozids bestehen keine ernstzunehmenden Zweifel. Verschweigen und Leugnen des Genozids ist vielmehr explizite staatliche Politik der Türkei, dem De-facto-Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs.

Einer der verlässlichen Komplizen dieser Leugnungspolitik ist die deutsche Regierung, die bis heute den Begriff Genozid meidet und an der zentralen Gedenkveranstaltung am 24. April in Armenien nicht teilnehmen wird. Diese Komplizenschaft ist wenig überraschend, weil das Deutsche Reich mit in das Verbrechen des damaligen Verbündeten verwickelt war. Insofern ist das Vorgehen der deutschen Regierung nicht nur den guten Beziehungen zur Türkei geschuldet, sondern dient auch dazu, die deutsche Beteiligung an einem weiteren Genozid unter den Teppich zu kehren. […]

Weiterlesen in: analyse & kritik (Nr. 604, 21. April 2015)

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