Die “Kurdenfrage” im Spiegel der türkischen Geschichtsschreibung

Input im Rahmen des Workshops “Türkeiforschung im deutschsprachigen Raum V: Umbrüche – Krisen – Widerstände”
(16. und 17. März 2018, Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut)

Die „Kurdenfrage“ im Spiegel der türkischen Geschichtsschreibung

Der hegemoniale Diskurs der türkischen Geschichtsschreibung, wie sie sowohl in den geschichts-und sozialwissenschaftlichen Fakultäten der Hochschulen als auch von den staatlichen Wissensproduzenten hergestellt wird, entwirft spezifische Erzählungen über die Türkische Republik und ihre jeweiligen GegnerInnen. Eine dieser Erzählungen, nämlich das Narrativ über die Kurden als eine rebellische und feindliche Bevölkerungsgruppe entstand bereits vor der Gründung der Republik und ist bis heute relevant.

In einem ersten Schritt wird dieser hegemoniale Diskurs analysiert. Dabei werden die einzelnen Diskursfragmente (in Anlehnung an Siegfried Jäger) erfasst und ihre Verbindungen untereinander beschrieben. Anders gesagt: Wie hängt beispielsweise die Beschreibung der Kurden als rebellisch und barbarisch mit der Legitimierung der staatlichen Gewaltpolitiken gegen die Kurden zusammen? Dabei werden auch die Kontinuitäten und Brüche im Diskurs über die Zeit hinweg skizziert. Welche Rede herrschte in der Zeit der kurdischen Aufstände der 1920er und 1930er Jahre und wie wurde in akademischen Schriften der 2000er Jahre darüber gesprochen?

In einem zweiten Schritt werden subalterne und marginalisierte Gegendiskurse ausgemacht. Dabei werden zwei Akteursgruppen differenziert. Zum einen wären diejenigen Stimmen zu nennen, die sich selbst als kurdisch definieren und mit dem expliziten politischen Ziel antreten, den negativen Fremdzuschreibungen mit einer eigenen positiven Erzählung entgegenzutreten. Zum anderen wären diejenigen AkteurInnen erwähnenswert, die sich innerhalb der türkischen akademischen Diskursräume aufhalten, aber trotzdem eine andere Erzählung über die Türkische Republik und die Kurden gewählt haben.

Zum Schluss wird aus einer normativ gesetzten Positionierung heraus gefragt, welche Diskurse, Erzählungen und Narrative im Sinne eines nachhaltigen Friedens und einer adäquaten Aufarbeitung der türkischen Geschichte von der Gründung der Republik bis heute wirken – und welche Diskurse, Erzählungen und Narrative eher dafür sorgen werden, dass der Konflikt zwischen dem türkischen Staat und der kurdischen Bevölkerung nicht überwunden werden kann.

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