Die Männer fürs Grobe: Das Verhältnis zwischen dem türkischem Staat und den Grauen Wölfen

Nach Ausschreitungen hat Frankreichs Regierung die Grauen Wölfe verboten. In Deutschland sind sie seit Jahrzehnten aktiv.

1945 wurden zehn türkische Nationalisten in der Türkei wegen Rassismus und als Anhänger der Ideologie des Turanismus, die der Utopie eines großtürkischen Reichs anhängt, verurteilt. Darunter war der spätere Gründer der türkisch-nationalistischen, extrem rechten Partei MHP und de facto auch der Bewegung der Grauen Wölfe: Alparslan Türkeş. Während der Gerichtsverhandlung argumentierten die Angeklagten durchaus nachvollziehbar, ihre Ideologie weiche vom offiziellen Staatsnationalismus kaum ab. Sie beriefen sich dabei auf Äußerungen führender Politiker der Türkei, darunter auch solche des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk. Im Falle einer Verurteilung müsse die Staatsspitze ebenfalls vor Gericht – so lautete die Verteidigungsstrategie der Angeklagten.
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Es ist tatsächlich so, dass rassistische und turanistische Elemente auch im türkischen Staatsnationalismus zu finden sind und die weltanschaulichen Unterschiede zwischen den Angeklagten und der Staatsführung eher marginal waren. Der Prozess endete mit milden Haftstrafen für die Angeklagten, die nach kurzer Zeit wieder aufgehoben wurden. Der Staat sah in den türkischen Nationalisten keine politischen Gegner, sondern wollte vielmehr den extremen Nationalisten die Grenzen des Sagbaren deutlich machen. […]

Weiterlesen: Die Männer fürs Grobe (Jungle World, 10. Dezember 2020)

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