Kategorie: Allgemein

Interview: “Der Westen hätte durchaus die Mittel, Erdogans Offensive auf Afrin zu stoppen”

Russland und die USA hätten den Feldzug der Türkei gegen die Kurden überhaupt erst möglich gemacht, sagt der deutsche Politologe und Historiker Ismail Küpeli im Interview. Nun gehe es um das Überleben der kurdischen Selbstverwaltung in Nordsyrien. […]

Gibt es für die Kurden überhaupt noch eine Perspektive?
Nur wenn die Offensive auf Afrin stoppt. Der Westen hätte durchaus die Mittel, um Erdogan zu diesem Punkt zu bringen. Danach bräuchte es einen neuen Friedensprozess in der Türkei. Denn ohne einer Lösung der Kurdenfrage in der Türkei, wird es auch in Rojava keinen Frieden geben.

Interview: “Der Westen hätte durchaus die Mittel, Erdogans Offensive auf Afrin zu stoppen” (watson.ch, 11. März 2018)

Die “Kurdenfrage” im Spiegel der türkischen Geschichtsschreibung

Input im Rahmen des Workshops “Türkeiforschung im deutschsprachigen Raum V: Umbrüche – Krisen – Widerstände”
(16. und 17. März 2018, Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut)

Die „Kurdenfrage“ im Spiegel der türkischen Geschichtsschreibung

Der hegemoniale Diskurs der türkischen Geschichtsschreibung, wie sie sowohl in den geschichts-und sozialwissenschaftlichen Fakultäten der Hochschulen als auch von den staatlichen Wissensproduzenten hergestellt wird, entwirft spezifische Erzählungen über die Türkische Republik und ihre jeweiligen GegnerInnen. Eine dieser Erzählungen, nämlich das Narrativ über die Kurden als eine rebellische und feindliche Bevölkerungsgruppe entstand bereits vor der Gründung der Republik und ist bis heute relevant.

In einem ersten Schritt wird dieser hegemoniale Diskurs analysiert. Dabei werden die einzelnen Diskursfragmente (in Anlehnung an Siegfried Jäger) erfasst und ihre Verbindungen untereinander beschrieben. Anders gesagt: Wie hängt beispielsweise die Beschreibung der Kurden als rebellisch und barbarisch mit der Legitimierung der staatlichen Gewaltpolitiken gegen die Kurden zusammen? Dabei werden auch die Kontinuitäten und Brüche im Diskurs über die Zeit hinweg skizziert. Welche Rede herrschte in der Zeit der kurdischen Aufstände der 1920er und 1930er Jahre und wie wurde in akademischen Schriften der 2000er Jahre darüber gesprochen?

In einem zweiten Schritt werden subalterne und marginalisierte Gegendiskurse ausgemacht. Dabei werden zwei Akteursgruppen differenziert. Zum einen wären diejenigen Stimmen zu nennen, die sich selbst als kurdisch definieren und mit dem expliziten politischen Ziel antreten, den negativen Fremdzuschreibungen mit einer eigenen positiven Erzählung entgegenzutreten. Zum anderen wären diejenigen AkteurInnen erwähnenswert, die sich innerhalb der türkischen akademischen Diskursräume aufhalten, aber trotzdem eine andere Erzählung über die Türkische Republik und die Kurden gewählt haben.

Zum Schluss wird aus einer normativ gesetzten Positionierung heraus gefragt, welche Diskurse, Erzählungen und Narrative im Sinne eines nachhaltigen Friedens und einer adäquaten Aufarbeitung der türkischen Geschichte von der Gründung der Republik bis heute wirken – und welche Diskurse, Erzählungen und Narrative eher dafür sorgen werden, dass der Konflikt zwischen dem türkischen Staat und der kurdischen Bevölkerung nicht überwunden werden kann.

Freitag: Die Abgrenzung eingrenzen

“Ankara/Berlin Trotz der Freilassung von Deniz Yücel wird es Zeit brauchen, bis im deutsch-türkischen Verhältnis wieder mehr Normalität einkehrt

Wenn der türkische Ministerpräsident Yıldırım erklärt: „Lasst uns die Vergangenheit vergessen“, lässt sich dieser Aufforderung entnehmen, nicht über Gebühr außenpolitisch isoliert zu werden und auf Schadenbegrenzung bedacht zu sein. Diesem Ansinnen kann die verfügte Freilassung von Deniz Yücel dienlich sein, auch wenn sich Präsident Erdoğan damit der Frage aussetzt: Warum lässt die Türkei einen derart gefährlichen Feind entkommen, der eben noch als „Spion“ und „Terrorist“ geschmäht war? […]

Weiterlesen: Die Abgrenzung eingrenzen (Der Freitag 08/2018, S. 2)

Deutschlandfunk-Interview: “Viele andere sind nach wie vor inhaftiert”

Der Bochumer Politikwissenschaftler Ismail Küpeli mahnt trotz aller Freude über die Freilassung Deniz Yücels, die Lage der Menschenrechte in der Türkei nicht aus dem Blick zu verlieren. Er befürchte, dass andere in der Türkei Inhaftierte vergessen werden könnten, sagte er im Deutschlandfunk […]

Politikwissenschaftler Küpeli: “Viele andere sind nach wie vor inhaftiert” (Deutschlandfunk, 17. Februar 2018)

ntv-Interview zum Fall Deniz Yücel: “Man wird bald sehen, ob es einen Deal gab”

Für Präsident Erdogan dürfte es schwierig werden, seinen Anhängern zu erklären, warum Deniz Yücel freigelassen wurde. “Dem Ausland wird man sagen: Die Justiz ist unabhängig”, sagt der Politologe Ismail Küpeli. “Aber der türkischen Bevölkerung wird das als Erklärung kaum reichen.”

n-tv.de: Was glauben Sie, warum hat die türkische Regierung den “Welt”-Journalisten Deniz Yücel freigelassen?

Ismail Küpeli: Die Gründe sind eigentlich offensichtlich. Die Türkei ist auf gute Beziehungen zu Deutschland angewiesen. Nach wie vor ist Deutschland ein wichtiger Wirtschaftspartner für die Türkei. Dass die deutsch-türkischen Beziehungen sich verschlechtert haben, könnte zu einer Wirtschaftskrise in der Türkei führen, und das will die türkische Regierung aus nachvollziehbaren Gründen vermeiden. Man hat ja schon im türkisch-russischen Verhältnis gesehen, dass außenpolitische Konflikte innenpolitisch kostspielig sein können: Wenn Touristen ausbleiben, wenn Handelsbeziehungen sich verschlechtern, dann hat das Folgen für die türkische Wirtschaft. […]

Weiterlesen: ntv-Interview zum Fall Deniz Yücel: “Man wird bald sehen, ob es einen Deal gab” (17. Februar 2018)

radio eins-Interview: Yücel, die Kurden, Russland und der Rest

“Die Linie der Konflikte zwischen der Türkei und Deutschland ist lang. Bundestagsabgeordnete dürfen Bundeswehrsoldaten auf türkischen Stützpunkten nicht besuchen. Türkischen Politikern werden Wahlkampfauftritte in Deutschland verboten. Sechs Deutsche sitzen in türkischen Gefängnissen fest, einer von ihnen Deniz Yücel, seit einem Jahr ohne Anklageschrift inhaftiert.

Heute besucht der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim Bundeskanzlerin Angela Merkel. Welche Motive die Türkei verfolgt und was die Bunderegierung bei diesem Besuch erreichen kann, weiß Ismail Küpeli, Politikwissenschaftler und Journalist”

Yücel, die Kurden, Russland und der Rest (radio eins, 15. Februar 2018)