Kategorie: Allgemein

Afrin in Trümmern

Große Teile des kurdisch-syrischen Afrin sind inzwischen von der türkischen Armee erobert worden. Afrin-Stadt ist bis auf einen schmalen Korridor gänzlich umschlossen. Konnten die Verteidiger*innen der Stadt den Angriff bislang aufhalten oder zumindest verlangsamen, scheint nun ein Sieg der türkischen Armee mit katastrophalen Folgen für die Bevölkerung in Afrin möglich zu sein.

Seit dem 20. Januar 2018 greift die türkische Armee mit ihren syrisch-arabischen Verbündeten das kurdische Afrin in der Autonomieregion Rojava an und zerstört damit eine der letzten relativ friedlichen Regionen in Syrien. In den ersten Kriegswochen schien es so, als habe die türkische Regierung, wie so oft, die eigenen militärischen Fähigkeiten überschätzt und die syrisch-kurdischen Verteidiger*innen von Afrin unterschätzt. Die türkische Armee schaffte es, trotz massiver Artillerie- und Luftangriffe, nur wenige Dörfer entlang der türkisch-syrischen Grenze zu erobern und erlitt hohe Verluste. […]

Afrin in Trümmern (Rosa-Luxemburg-Stiftung, 13. März 2018)

VICE: “Moschee-Brände: Radikale Kurden rufen zu Anschlägen in ganz Europa auf”

Türkische Medien haben den Aufruf bereits aufgegriffen und interpretieren ihn als Mobilisierung der kurdischen Terrororganisation PKK in Deutschland. Der Politikwissenschaftler Ismail Küpeli bezweifelt allerdings, dass die PKK hinter diesem Aufruf steht. “Das sind radikalisierte kurdische Jugendliche – weder die PKK noch andere kurdische Organisationen können die kontrollieren”, erklärt er gegenüber VICE. “Die organisierten Kräfte versuchen eher, solche Dinge zu unterbinden – weil sie wissen, dass das öffentliche Ansehen der Kurden in Deutschland davon abhängt, dass sowas nicht passiert.” Tatsächlich hatten ähnliche Aktionen in den 90ern, als kurdische Aktivisten zum Beispiel in großem Stil deutsche Autobahnen blockierten, dem Ansehen des kurdischen Freiheitskampfes nachhaltig geschadet. […]

“Moschee-Brände: Radikale Kurden rufen zu Anschlägen in ganz Europa auf” (VICE, 12. März 2018)

Interview: “Der Westen hätte durchaus die Mittel, Erdogans Offensive auf Afrin zu stoppen”

Russland und die USA hätten den Feldzug der Türkei gegen die Kurden überhaupt erst möglich gemacht, sagt der deutsche Politologe und Historiker Ismail Küpeli im Interview. Nun gehe es um das Überleben der kurdischen Selbstverwaltung in Nordsyrien. […]

Gibt es für die Kurden überhaupt noch eine Perspektive?
Nur wenn die Offensive auf Afrin stoppt. Der Westen hätte durchaus die Mittel, um Erdogan zu diesem Punkt zu bringen. Danach bräuchte es einen neuen Friedensprozess in der Türkei. Denn ohne einer Lösung der Kurdenfrage in der Türkei, wird es auch in Rojava keinen Frieden geben.

Interview: “Der Westen hätte durchaus die Mittel, Erdogans Offensive auf Afrin zu stoppen” (watson.ch, 11. März 2018)

Die “Kurdenfrage” im Spiegel der türkischen Geschichtsschreibung

Input im Rahmen des Workshops “Türkeiforschung im deutschsprachigen Raum V: Umbrüche – Krisen – Widerstände”
(16. und 17. März 2018, Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut)

Die „Kurdenfrage“ im Spiegel der türkischen Geschichtsschreibung

Der hegemoniale Diskurs der türkischen Geschichtsschreibung, wie sie sowohl in den geschichts-und sozialwissenschaftlichen Fakultäten der Hochschulen als auch von den staatlichen Wissensproduzenten hergestellt wird, entwirft spezifische Erzählungen über die Türkische Republik und ihre jeweiligen GegnerInnen. Eine dieser Erzählungen, nämlich das Narrativ über die Kurden als eine rebellische und feindliche Bevölkerungsgruppe entstand bereits vor der Gründung der Republik und ist bis heute relevant.

In einem ersten Schritt wird dieser hegemoniale Diskurs analysiert. Dabei werden die einzelnen Diskursfragmente (in Anlehnung an Siegfried Jäger) erfasst und ihre Verbindungen untereinander beschrieben. Anders gesagt: Wie hängt beispielsweise die Beschreibung der Kurden als rebellisch und barbarisch mit der Legitimierung der staatlichen Gewaltpolitiken gegen die Kurden zusammen? Dabei werden auch die Kontinuitäten und Brüche im Diskurs über die Zeit hinweg skizziert. Welche Rede herrschte in der Zeit der kurdischen Aufstände der 1920er und 1930er Jahre und wie wurde in akademischen Schriften der 2000er Jahre darüber gesprochen?

In einem zweiten Schritt werden subalterne und marginalisierte Gegendiskurse ausgemacht. Dabei werden zwei Akteursgruppen differenziert. Zum einen wären diejenigen Stimmen zu nennen, die sich selbst als kurdisch definieren und mit dem expliziten politischen Ziel antreten, den negativen Fremdzuschreibungen mit einer eigenen positiven Erzählung entgegenzutreten. Zum anderen wären diejenigen AkteurInnen erwähnenswert, die sich innerhalb der türkischen akademischen Diskursräume aufhalten, aber trotzdem eine andere Erzählung über die Türkische Republik und die Kurden gewählt haben.

Zum Schluss wird aus einer normativ gesetzten Positionierung heraus gefragt, welche Diskurse, Erzählungen und Narrative im Sinne eines nachhaltigen Friedens und einer adäquaten Aufarbeitung der türkischen Geschichte von der Gründung der Republik bis heute wirken – und welche Diskurse, Erzählungen und Narrative eher dafür sorgen werden, dass der Konflikt zwischen dem türkischen Staat und der kurdischen Bevölkerung nicht überwunden werden kann.

Freitag: Die Abgrenzung eingrenzen

“Ankara/Berlin Trotz der Freilassung von Deniz Yücel wird es Zeit brauchen, bis im deutsch-türkischen Verhältnis wieder mehr Normalität einkehrt

Wenn der türkische Ministerpräsident Yıldırım erklärt: „Lasst uns die Vergangenheit vergessen“, lässt sich dieser Aufforderung entnehmen, nicht über Gebühr außenpolitisch isoliert zu werden und auf Schadenbegrenzung bedacht zu sein. Diesem Ansinnen kann die verfügte Freilassung von Deniz Yücel dienlich sein, auch wenn sich Präsident Erdoğan damit der Frage aussetzt: Warum lässt die Türkei einen derart gefährlichen Feind entkommen, der eben noch als „Spion“ und „Terrorist“ geschmäht war? […]

Weiterlesen: Die Abgrenzung eingrenzen (Der Freitag 08/2018, S. 2)

Deutschlandfunk-Interview: “Viele andere sind nach wie vor inhaftiert”

Der Bochumer Politikwissenschaftler Ismail Küpeli mahnt trotz aller Freude über die Freilassung Deniz Yücels, die Lage der Menschenrechte in der Türkei nicht aus dem Blick zu verlieren. Er befürchte, dass andere in der Türkei Inhaftierte vergessen werden könnten, sagte er im Deutschlandfunk […]

Politikwissenschaftler Küpeli: “Viele andere sind nach wie vor inhaftiert” (Deutschlandfunk, 17. Februar 2018)