Dissertation: Die “Kurdenfrage” in der Türkei: Exklusion und Vernichtung als Säulen der Nationalstaatlichkeit

Die “Kurdenfrage” in der Türkei: Exklusion und Vernichtung als Säulen der Nationalstaatlichkeit

Der Konflikt zwischen dem türkischen Staat und der kurdischen Bevölkerung ist einer der entscheidenden Faktoren, die die Geschichte und Gegenwart der Türkei bestimmen. Die politische Debatten und Entscheidungen in vielen sehr unterschiedlichen Bereichen von der Bildungspolitik bis hin zur Außenpolitik lassen sich auf die sogenannte „Kurdenfrage“ zurückführen. Darüber hinaus ist der Konflikt für die geschichtliche Entwicklung und der aktuellen Lage des gesamten Nahen und Mittleren Ostens bedeutend. Dies nicht zuletzt dadurch, dass kurdische Bevölkerungsgruppen in vielen Staaten existieren und in vielen Staaten politisch relevante AkteurInnen hervorgebracht haben, wie etwa neben der Türkei in Syrien und im Irak.

Die Geschichte des Konflikts zwischen der Türkei und der kurdischen Bevölkerung muss aufarbeitet werden, um die gegenwärtigen Konflikte zu verstehen. Bisher konzentriert sich die politische und wissenschaftliche Beschäftigung mit der “Kurdenfrage” auf die Gegenwart ohne eine historische Perspektive. So bleiben die Verbindungen zwischen der türkischen staatlichen Homogenisierungspolitik und den kurdischen „Aufständen“ in den 1920er und 1930er Jahren vielfach unterbelichtet und die möglichen Auswirkungen dieser Entwicklung für die gegenwärtige politische Lage unbeachtet.

Die hiesige Forschungsarbeit beschränkt sich indes nicht auf die Analyse dieser gewaltsamen Durchsetzung von Nationalstaatlichkeit und der autoritären Schaffung einer türkischen Nation, sondern will darüber hinaus Empfehlungen und Denkanstöße für die Erinnerungsarbeit und die politische Bildung formulieren, die Beiträge für eine Anerkennung der Pluralität und Diversität der jeweiligen Bevölkerungen und für einen gesellschaftlichen Friedensprozess, in der die Interessen und Rechte aller Bevölkerungsgruppen berücksicht werden, liefern können.

Kurzdarstellung des Promotionsprojektes “Die “Kurdenfrage” in der Türkei” (Blogeintrag) (PDF)

Publikationen:
Machbarkeit der türkischen Nation: Diskursive Exklusion und physische Vernichtung als Säulen von nation building. In: Marcus Hawel u.a. (Hrsg.): Work in Progress: Doktorand*innen Jahrbuch 2019 der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Hamburg, 2020.

Vortragsrundreise “Kurze Geschichte der Türkischen Republik: Durch Vernichtung und Vertreibung zum ethnisch homogenen Nationalstaat” (Blogeintrag) (PDF)

Das Promotionsprojekt “Die “Kurdenfrage” in der Türkei” wird durch ein Stipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördert. Vorträge und Texte zu den Themenfeldern der Dissertation sind möglich. Anfragen bitte an: Ismail.Kuepeli@ruhr-uni-bochum.de.

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